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Bernfeld, Siegfried

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Siegfried Bernfeld kam 1892 im galizischen Lemberg als Sohn des in Wien ansässigen Textilkaufmanns Isidor Bernfeld und seiner Frau Hermine (geb. Schwarzwald) zur Welt. Als Schüler engagierte er sich innerhalb der radikalen Wiener Jugendbewegung, beschäftige sich mit sozialen Fragen, insbesondere über moderne Erziehungspraktiken, war Herausgeber der Schülerzeitung Das Classenbuch und schrieb für die Zeitschrift Eos._ Stimmen der Jugend._ Nach der Matura begann er 1911 an der Universität Wien Naturwissenschaften zu studieren, wechselte jedoch bald zu Pädagogik und Psychologie über. 1915 schloss er sein Studium mit einer Dissertation „Über den Begriff der Jugend“ ab. Innerhalb der Jugendbewegung nahm Bernfeld eine führende Rolle ein und versuchte die von den bürgerlichen mystischen Ideen des deutschen Reformpädagogen Gustav Wyneken beeinflusste Bewegung „mit Anfängen einer kohärenten Psychologie der Pubertät zu unterlegen und (…) durch ein sozialistisches Bildungsprogramm zu (ergänzen)“ (Paret 1992, 17). 1912 gründete er das Akademische Comité für Schulreform (ACS), das sich für sozialistische, pazifistische und feministische Fragen engagierte und in dem die Jugendlichen ihre Ideen und Vorstellungen zur Jugendkultur diskutieren konnten. 1914 wurde das ACS von der Polizei aufgelöst. Im selben Jahr begann sich Bernfeld verstärkt für den Zionismus zu begeistern und gründete im April 1918 die Zeitschrift Jerubbaal. Eine Zeitschrift der jüdischen Jugend, welche „die widerstreitenden zionistischen und sozialistischen Fraktionen innerhalb des österreichischen Judentums zusammenbringen und eine Jugendbewegung als Avantgarde des jüdischen Nationalismus ins Leben rufen“ sollte (ebd., 19).

Ab 1915 nahm Bernfeld als Gast an den Sitzungen der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV) teil und wurde 1919 als Mitglied aufgenommen. Im selben Jahr gründete er das Kinderheim Baumgarten, in dem ca. 300 aus Galizien geflüchtete jüdische Waisenkinder Aufnahme fanden und Bernfeld gemeinsam mit dem späteren Psychoanalytiker Willi Hoffer sein reformpädagogisches Konzept einer neuen Erziehung zu verwirklichen begann. Das Kinderheim musste jedoch aufgrund finanzieller Schwierigkeiten bereits ein Jahr später wieder geschlossen werden. Ab 1922 begann Bernfeld als Psychoanalytiker zu praktizieren und übernahm innerhalb der WPV die Funktion des Sekretärs und Bibliothekars sowie des Stellvertreters von Helene Deutsch am Psychoanalytischen Lehrinstitut. Mit einem Einführungskurs in die Psychoanalyse versuchte er, Lehrer/Lehrerinnen, Pädagogen/Pädagoginnen und Psychologen/Psychologinnen die Freudschen Theorien näher zu bringen und hielt auch im Verein Wiener Volksbildung Vorlesungen über Psychoanalyse und Erziehung.

1925 übersiedelte Bernfeld nach Berlin, wo er der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung beitrat und eine psychoanalytische Praxis eröffnete. Zusammen mit dem deutschen Psychoanalytiker Carl Müller-Braunschweig gründete er eine psychoanalytisch-pädagogische Arbeitsgemeinschaft, in der Psychoanalytiker und Psychoanalytikerinnen zusammen mit Angehörigen unterschiedlicher pädagogischer Berufsgruppen anhand konkreter Fallbeispiele pädagogische Probleme diskutierten. Neben seiner praktischen Arbeit widmete er sich „kontinuierlich (…) der Weiterentwicklung der psychoanalytischen Pädagogik, (…) der Verbindung von Psychoanalyse und akademischer Psychologie (…), dem Verhältnis von Psychoanalyse und Marxismus und (dem) erkenntnistheoretischen Status der Psychoanalyse im Rahmen der wissenschaftlichen Weltauffassung“ (Mühlleitner 1992, 37). Zwischen 1926 und 1930 lehrte er als Dozent an der deutschen Hochschule für Politik in Berlin. 1932 kehrte er nach Wien zurück und wurde in den Vorstand der WPV aufgenommen. Nach der austrofaschistischen Machtübernahme emigrierte Bernfeld 1934 zunächst ins französische Menton und später nach London bis er sich 1937 in San Francisco niederließ. Dort half er beim Aufbau des Psychoanalytischen Instituts und lehrte als Dozent an der Medical School der Universität Kalifornien. Siegfried Bernfeld starb am 2. April 1953 im Alter von 62 Jahren in San Francisco.

Bernfelds reformpädagogischer Ansatz wurzelte in dem seit der Jahrhundertwende wachsenden Jugendprotest, der v.a. um Fragen zu Schule, Elternhaus und Sexualität entbrannt war. Bernfeld trat für eine radikale Umgestaltung der Erziehungsinstitutionen ein und forderte neben der Gleichberechtigung der Geschlechter und der Etablierung einer „klassenlosen Erziehung“ zur Beseitigung aller sozialen Unterschiede auch die Einrichtung von Schüler(innen)vereinen und eine Schüler(innen)-Selbstverwaltung. Im Kinderheim Baumgarten versuchte er, seine pädagogischen Ideen in die Praxis umzusetzen, indem er sich v.a. auf Freuds Theorien, aber auch auf die pädagogischen Ansätze von Maria Montessori und Berthold Otto stützte sowie auf Wynekens Konzept der Schulgemeinde. Dementsprechend war das Kinderheim nach dem Prinzip der Selbstverwaltung von Schülern und Schülerinnen organisiert, wodurch die Kinder eigenverantwortliches Handeln lernen sollten. Gleichzeitig sollte ihre „intellektuelle Erziehung ebenso“ gefördert werden wie „die Bildung ihrer Affekte und Triebe“ (Erich, 1993, S. 95). Einen Schwerpunkt seiner Arbeiten widmete Bernfeld der Untersuchung der Pubertät. Vehement kritisierte er, dass die Pubertät nicht als eigenständiges Entwicklungsstadium angesehen und „nur unter dem Aspekt des Unfertigen, des ‚Noch-nicht’ (…) betrachtet“ (werde), „als ein mehr oder minder lästiges Durchgangsstadium zur Reife des Erwachsenenseins“, was „zu Verkennung der spezifischen Bedürfnisse und Potentiale der Jugend (führe)“ (Grubrich-Simitis 1981, 14). Die Erziehungsinstitutionen würden die spezifischen Bedürfnisse der Jugendlichen ignorieren und nur darauf abzielen, sie auf das Erwachsenenleben vorzubereiten. 1923 veröffentlichte er einen Aufsatz „Über eine typische Form der männlichen Pubertät“, worin er sich mit den „außerordentlichen Unterschieden in der Dauer der Pubertätsphase“ auseinandersetzte und dabei „vorwiegend den psychischen Anteil als den variablen identifizierte“. In seiner Theorie von der „gestreckten Pubertät“ unterschied er „einen physisch-biologischen von einem psychischen Anteil der Pubertät“ (ebd., 15f.). Zur Erforschung der Jugendkultur gründete er das Archiv für Jugendkultur, das Gegenstände und Dokumente von Jugendlichen sammelte und gab später zusammen mit Willi Hoffer die Quellenschriften zur seelischen Entwicklung im Internationalen Psychoanalytischen Verlag heraus.

1925 erschien Bernfelds Hauptwerk Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung, worin er ein Resümee über seine bisherige erzieherische Arbeit zog. Darin versuchte er, die marxistische und psychoanalytische Theorie zu verbinden und untersuchte „die Grenzen der Erziehung sowohl in politischen Systemen als auch in der Psychologie des Kindes, der Erwachsenen und im besondern der Lehrer“ (Erich 1993, 97). Er beschrieb zunächst die „äußere“ Grenze, die durch die Gesellschaft bedingte sozio-ökonomische Realität, in der Erziehung stattfinde und die durch den Marxismus beseitigt werden könne. Weitere Grenzen erkannte er in der Triebstruktur der zu Erziehenden sowie der Erzieher und Erzieherinnen, die mittels der Freudschen Lehre analysiert werden könnten. In seinem Aufsatz „Der soziale Ort und seine Bedeutung für Neurose, Verwahrlosung und Pädagogik“ (1929) plädierte er an seine Kollegen und Kolleginnen, die realen Lebensverhältnisse der Klienten und Klientinnen mitzuberücksichtigen und fügte somit den dynamischen, strukturellen, ökonomischen und psychoanalytischen Gesichtspunkten auch die sozialen hinzu. Vorsichtig blieb Bernfeld hinsichtlich der Rolle der Psychoanalyse für die Pädagogik, da er die Psychoanalyse zwar als „zulängliche Psychologie“ erkannte, jedoch sei sie nicht „das ganze der Erziehungswissenschaft“, sondern nur „eine Methode, mir deren Hilfe ein Zweig der Erziehungswissenschaft, der psychologische, aufgebaut werden kann“ (Bernfeld 1931, 14, zit. n. Erich 1993, 100).

Bernfeld blieb sein Leben lang ein radikaler Befürworter eines „freien“ psychoanalytischen Instituts und eines schülerzentrierten Ausbildungssystems. In seinem letzten Vortrag, wenige Monate vor seinem Tod, kritisierte er vehement die Verschulung und Bürokratisierung des psychoanalytischen Lehrbetriebs und warnte vor einer Versteinerung der psychoanalytischen Institutionen.

_Christiane Rothländer
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Bibliografie

Auswahlbibliografie

Eine Zusammenstellung der Arbeiten von Siegfried Bernfeld findet sich bei: Fallend/Reichmayr (Hrsg.) (1992), S. 328-346.

Primärliteratur

(1913), Zur unbewußten Dynamik des Denkprozesses. Eine Selbstbeobachtung. In: Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse 1, S. 564-565.

(1914), Psychoanalyse und Psychologie. In: Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse 2, S. 517-521.

(1914), Die neue Jugend und die Frauen, Wien.

(1916), Die Kriegswaisen. In: Der Jude 1, S. 269-271.

(1919), Das jüdische Volk und seine Jugend, Leipzig.

(1921), Kinderheim Baumgarten. Bericht über einen ernsthaften Versuch mit neuer Erziehung, Berlin.

(1922), gem. m. Fuchs, Gerhard/Hoffer, Willi/Kohn, Erwin, Vom Gemeinschaftsleben der Jugend, Wien.

(1923), Über eine typische Form der männlichen Pubertät. In: Imago 9, S. 169-188.

(1924), Vom dichterischen Schaffen der Jugend. Neue Beiträge zur Jugendforschung, Wien/Leipzig/Zürich.

(1925), Psychologie des Säuglings, Wien.

(1925), Sisyphos oder Die Grenzen der Erziehung, Wien.

(1929), Der soziale Ort und seine Bedeutung für Neurose, Verwahrlosung und Pädagogik. In: Imago 15, S. 299-312.

(1930), gem. m. Feitelberg, Sergei, Energie und Trieb. Psychoanalytische Studien zur Psychophysiologie, Wien.

(1931), Zur Sublimierungstheorie. In: Imago 17, S. 399-409.

(1934), Gestalttheorie. In: Imago 20, S. 32-77.

(1981), gem. m. Cassirer Bernfeld, Suzanne, Bausteine der Freud-Biographik, hrsg. und eingel. von Ilse Grubrich-Simitis, Frankfurt a.M.

Sekundärliteratur

Ekstein, Rudolf (1966), Siegfried Bernfeld. Sisyphos or The Boundaries of Education. In: Alexander, Franz/Eisenstein, Samuel/Grotjahn, Martin (Eds.), Psychoanalytic Pioneers, New York/London, pp. 415-429.

Ekstein, Rudolf/Fallend, Karl/Reichmayr, Johannes (1988), Too late to start life afresh. Siegfried Bernfeld auf dem Weg ins Exil. In: Stadler, Friedrich (Hrsg.), Vertriebene Vernunft II. Emigration und Exil österreichischer Wissenschafter, Wien/München, S. 230-241.

Erich, Theresia (1993), Siegfried Bernfeld: Ein früher Vertreter der Psychoanalytischen Pädagogik. In: Psychosozial 53, Schwerpunktheft „Pioniere der Psychoanalytischen Pädagogik“, hrsg. von Roland Kaufhold, S. 94-102.

Fallend, Karl/Reichmayr, Johannes (Hrsg.) (1992), Siegfried Bernfeld oder die Grenzen der Psychoanalyse. Materialien zu Leben und Werk, Basel/Frankfurt a.M.

Grubrich-Simitis, Ilse (1981), Siegfried Bernfeld: Historiker der Psychoanalyse und Freud-Biograph. In: Bernfeld, Siegfried/Cassirer Bernfeld, Suzanne, Bausteine einer Freud-Biographie, Frankfurt a.M., S. 7-48.

Mühlleitner, Elke (1992), Biographisches Lexikon der Psychoanalyse. Die Mitglieder der Psychologischen Mittwoch-Gesellschaft und der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung 1902-1938, Tübingen.

Paret, Peter (1992), Sisyphos und sein Autor. Eine Einführung. In: Fallend/Reichmayr, S. 15-30.

Zusammengestellt von Christiane Rothländer

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